Tanz mit dem Mörder – wie eine Kleinstadt mit ihrer Nazi-Vergangenheit umgeht

Der Nationalsozialismus war in meiner Jugend allgegenwärtig: Allein in der schulischen Oberstufe habe ich auf Klassenfahrten die drei Konzentrations- und Arbeitslager Auschwitz, Buchenwald und Theresienstadt besucht (Randnotiz: Gefragt wurden wir Jugendliche damals nicht, die Besuche waren bis auf einen, der uns freigestellt wurde, Pflichtprogramm).

Dann war Pause. Erstmal.

Nach meinem Studium begegnete der Nationalsozialismus mir wieder: im Lokaljournalismus. Denn im Lokalen gibt es bis heute viele nicht aufgearbeitete Erinnerungen. Viele Städte diskutieren darüber, ob Straßennamen umbenannt, ob öffentliche Kriegsschauplätze als solche gekennzeichnet werden sollen, ob so viele Jahre später noch Mahnmale für die Opfer des Kriegs und des Nationalsozialismus errichtet werden können, sollen, müssen.

Auch in Waldkirch, wo ich lebe und lange Zeit für lokale Zeitungen geschrieben habe, gibt es diese Diskussionen. Heftige Diskussionen. Hier vielleicht deshalb ganz besonders heftig – weil Karl Jäger, ein fast unbekannter Nazi-Massenmörder, aus diesem charmanten und beschaulichen Schwarzwaldstädtchen stammte.

Als die Ideenwerkstatt „Waldkirch im Nationalsozialismus“ im Jahr 2012 nach Günzburg fuhr, der Heimatstadt von Josef Mengele, um sich dort Anregung und Ermutigung für die Neugestaltung von Erinnerungsorten einzuholen, habe ich sie begleitet und eine Reportage für die lokale Sonntagszeitung geschrieben. Das war meine allererste Reportage, auf die ich handwerklich nicht stolz bin. Aber diese Fahrt und eine Begegnung mit einer Jugendfreundin von Josef Mengele hat mich zutiefst beeindruckt. Bei der Rückkehr am Abend war ich vor Erschöpfung krank und schlief drei Tage lang.

Textprobe als PDF: Tanz mit dem Mörder

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