„Ohne Bilder geht es nicht!“

katharina_gruber

Sie hat die „Chancen und Stolpersteine zwischen Sozialarbeitern und Journalisten“ erforscht, theoretisch wie praktisch: Katharina Gruber schrieb eine Diplomarbeit mit diesem Titel. Seit acht Jahren macht sie PR für Sozialverbände. Ob ihr die Wissenschaft dabei hilft? Ein Interview.

Frau Gruber, in Ihrer Diplomarbeit haben Sie die „Chancen und Stolpersteine zwischen Journalisten und Sozialarbeitern“ untersucht. Das ist acht Jahre her. Lassen sich solche Theorien im Alltag einer PR-Fachfrau im Sozialbereich anwenden?

Nun ja. Mit dem kompletten theoretischen Hintergrundwissen nach Habermas arbeitet man in der Praxis natürlich selten. Was ich aber ständig anwende, sind kommunikative Grundsätze, die ich in meiner Diplomarbeit aufgestellt habe: Wie kommuniziert man mit Klienten und Sozialtätigen? Was ist relevant im Umgang? Mit der Zeit hat sich das auch noch weiterentwickelt.

Weshalb haben Sie in Ihrer Diplomarbeit nur Sozialarbeiter befragt und keine Journalisten?

Weil ich selbst Soziale Arbeit studiert habe. Und weil mir die Sicht des Sozialbereichs zu dem Zeitpunkt unterrepräsentiert vorkam. Ich denke, dass sich hierbei in den letzten Jahren etwas geändert hat. Vielleicht ist das aber auch nur mein Eindruck, weil ich jetzt in der Praxis stehe und soziale Einrichtungen nach aussen vertrete.

Zum Tag der Gleichstellung porträtierte die Meisterfotografin einen 40-Jährigen mit Cerebralparese beim Auszug aus seinem Elternhaus.

Sie machen in der Diplomarbeit konkrete Vorschläge, wie Journalisten mit Sozialarbeitern umgehen sollten, sprechen von Fairness, beispielsweise in Bezug auf fehlerhafte Darstellungen, die nachträglich korrigiert werden sollten. Wollten Sie erreichen, dass Journalisten anders mit Sozialtätigen umgehen?

Nein. Der Anspruch, den Journalismus zu beeinflussen, wäre schon sehr idealistisch gewesen. Zumal ich in dieser Zeit noch wenig als Journalistin gearbeitet habe – das freiberufliche Schreiben kam später, mit Fortbildungen, die ich nach dem Studium gemacht habe. Ich hatte kaum Journalistenkollegen und kann nicht sagen, wie sie auf solche Tipps meinerseits reagiert hätten. Meine Diplomarbeit war wirklich eher an die Profession der Sozialen Arbeit gerichtet: Komm aus deinem Schneckenhaus, tue Gutes und rede darüber! Das wollte ich sagen. Weil es mir einfach eine Herzensangelegenheit war und ist.

Dennoch: Was bräuchte es, damit der Journalismus Impulse wie die Ihren annähme?

Ich glaube gar nicht mal, dass es am Interesse der Journalisten mangelt. Eher daran, dass alle so mit Arbeit zugepackt sind. Ich könnte mir Seminare zum „Umgang mit dem Sozialbereich“ durchaus vorstellen, zum Beispiel an Fortbildungseinrichtungen für Journalisten.

Was würde ein Durchschnittsjournalist dort lernen?

Dass man Klienten nicht in die Öffentlichkeit zerren, nicht zu viel Privates weiter geben soll. Das ist der sensibelste Punkt im Sozialbereich. Und auch keine Storys dramatisieren. Das finde ich am wichtigsten, weil es einen Selbstrezipienten-Effekt gibt.

Was ist der Selbstrezipienten-Effekt?

Wenn man plötzlich, vielleicht sogar unvermutet, selbst in der Öffentlichkeit steht, und dann auch noch etwas verzerrt oder dramatisiert wird, wirkt das wie ein moderner Pranger. Ich merke es ständig im Kleinen: In meiner beruflichen Funktion arbeite ich viel mit Ehrenamtlichen. Wenn da in der Presse nur eine Kleinigkeit falsch ist – zum Beispiel eine falsche Bezeichnung – dann ist das gleich ein grosses Drama. Als Praktiker denkt man manchmal: Das sind ja Kinkerlitzchen. Wenn hingegen eine ganze Familie medial verrissen wird, weil irgendwas passiert ist, dann finde ich persönlich das ganz katastrophal. In puncto Privatsphäre braucht es viel Sensibilität der Journalisten.

"Mit meinen Bildern erzähle ich Geschichten", sagt Katharina Gruber, "das kommt in den sozialen Medien unglaublich gut an."

„Mit meinen Bildern erzähle ich Geschichten“, sagt Katharina Gruber, „das kommt in den sozialen Medien unglaublich gut an.“

Wie reagieren Sie als PR-Frau, wenn Journalisten dramatisieren wollen?

Bis jetzt habe ich das nicht erlebt. Zumal ich eher Botschaften aussende, als dass Journalisten-Anfragen hereinkommen. Hier in Österreich haben wir viele Regionalmedien und die bediene ich mit Reportagen zu Themenschwerpunkten, Infos zu Beratungsveranstaltungen, Hinweisen zur Barrierefreiheit, Best-Practice-Beispiele. Das sind eher harmlose Dinge.

Sind regionale Medien für Sie einfach zu bedienen – weil diese eher Veranstaltungen ankündigen, anstatt Themenkomplexe aufzugreifen, so wie es überregionale Presse tut?

Würde ich so nicht sagen – ich habe auch mit überregionalen Medien, wie dem ORF, schon mehrmals gut zusammengearbeitet. Da bin ich immer auf sensible Leute getroffen. Natürlich, die Boulevardmedien die sind eher heikel – aber die bringen auch kaum Geschichten aus dem Behindertenbereich. Und wenn, dann sind da gerne mal die Menschen „auf den Rollstuhl gefesselt“. Diese Klassiker eben. Selbst wenn man darauf hinweist, wird das meistens ignoriert.

https://rebsommer.wordpress.com/2014/04/26/ohne-bilder-geht-es-nicht-katharina_gruber_macht_pr_fur_sozialverbande-_ein_interview/#more-570

Wenn Sie Pressesprecher aus ganz anderen Bereichen treffen – welche Unterschiede bemerken Sie?

Die Grundprinzipien der Öffentlichkeitsarbeit sind meines Erachtens überall gleich. Aber im Sozialbereich tun wir uns fast ein wenig leichter, zu kommunizieren, weil wir einen Nachrichtenfaktor immer mitbedienen: Das Thema Menschlichkeit. Wenn man gutes Ausgangsmaterial liefert – gute Texte, gute Bilder – hat man es gar nicht mal so schwer, Medienpräsenz zu erreichen.

Gute Bilder – das heisst thematische Bilder anstelle von Gruppenfotos?

Da lasse ich mich ganz frei inspirieren. Ich habe teilweise schon ganze Fotostrecken gemacht und die Pressetexte darin eingearbeitet, wie eine Bildgeschichte. Das kam in den sozialen Netzwerken unglaublich gut an. Weil die Leute einfach gerne Bilder schauen.

Es gibt ja auch Interviewpartner, die sich am liebsten nur rasch abknipsen lassen wollen und kein Gefühl für die Notwendigkeit guter Bilder haben. Kennen Sie solche Probleme?

Ich kenne Damen, die sind mit jedem Foto unzufrieden und schon alleine deshalb wollen sie nicht fotografiert werden. Das nervt manchmal. Aber wenn ich meine Arbeit mache, ist eigentlich klar, dass es immer eine Kombination gibt: Bild und Text. Schliesslich muss ich als Pressesprecherin mit meinen Aussendungen zunächst die „Erstleser“ überzeugen: Journalisten, die darüber entscheiden, ob ein Beitrag verwendet wird oder nicht. Das sind Medienprofis und dafür sind gute Bilder ganz besonders wichtig. Kleinere soziale Einrichtungen müssen das noch lernen, denn man muss medial präsent sein, um nicht in Vergessenheit zu geraten oder um Spendengelder aufzutreiben.

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Katharina Gruber vermisst es überhaupt nicht, keine Soziale Arbeit im „klassischen Sinn“ zu betreiben. Mit ihrer Tätigkeit in der Öffentlichkeitsarbeit hat sie ihre persönliche Nische gefunden: „Einerseits kann sie sich für benachteiligte Gruppen einsetzen“, sagt sie, „und andererseits die guten Leistungen im Sozialbereich sichtbar machen, die vielfach übersehen oder gering geschätzt werden.“

Die 34-Jährige ist für Öffentlichkeitsarbeit des Oberösterreichischen Zivil-Invalidenverbandes in Linz verantwortlich. Sie ist studierte Sozialarbeiterin, ausgebildete Journalistin und Meisterfotografin. Ihre Diplomarbeit „Sozialarbeit und Journalismus: Chancen und Stolpersteine“ ist 2008 im VDM-Verlag erschienen. Gruber wurde bereits mehrfach für ihre Arbeiten ausgezeichnet, wie mit dem PR-Young-Star Award der WK Steiermark oder dem Valentin-Ladenbauer-Journalistenpreis, der Apothekerkammer Oberösterreich.

Xing-Profil von Katharina Gruber

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