Christian Müller von Sozial-PR: „Soziale Arbeit ist prädestiniert für Social Media.“

Im zweiten Interview erklärt Sozial-PR-Berater Christian Müller, wie soziale Einrichtungen Social Media sinnvoll einsetzen. Und wo die Grenzen der On- und Offline-Kommunikation liegen.

Sozial-PR-Berater Christian Müller

Teil 2: Wie Soziale Einrichtungen Social Media sinnvoll einsetzen können – und wo die Grenzen der Online-Kommunikation liegen.

Christian, du berätst soziale Einrichtungen und Träger zum Einsatz von Social Media. Gibt es eigentlich auch Einrichtungen, bei denen du sagst: Hier hat Social Media gar keinen Sinn?

Social Media ist jedenfalls immer nur ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit. Bei einem Pflegeheim mit einem Einzugsgebiet von 40 Kilometern ist es sicher wichtiger, sich mit der lokalen Presse zu vernetzen. Allerdings: Aus Sicht des Employer-Branding, der Bildung einer Arbeitgebermarke, ist der Einsatz von Social Media immer sinnvoll. Wenn ich mit als Arbeitgeber in einem so umkämpften Gebiet bewege, muss ich online präsent sein. Die Mitarbeiter erwarten das.

Sind Fachkräfte der Hauptgrund für soziale Einrichtungen, sich in Soziale Netzwerke zu bewegen?

Es ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Grund. Ein Jugendhilfeträger oder eine Einrichtung für Menschen mit Behinderung hat natürlich auch ein Interesse daran, das eigene Image zu beeinflussen. Und auch, den Stellenwert der Sozialen Arbeit insgesamt zu pushen – dieser Gedanke ist bei sozialen Trägern zumindest ein wenig vorhanden, auch wenn es sich Einzelne nicht leisten können, ihn in den Vordergrund zu stellen. Man darf den Einsatz von Social Media nicht auf das Employer-Branding reduzieren. Es geht ganz schlicht auch darum, potentielle Klienten zu erreichen und Berührungsängste abzubauen.

Setzen soziale Einrichtungen in Großstädten wie Hamburg und Berlin Social Media anders ein, als, sagen wir, auf der Schwäbischen Alp?

Klar, es gibt Mentalitätsunterschiede. Und ich behaupte, sie sind in der Sozialen Arbeit noch viel stärker ausgeprägt, als in anderen Bereichen. In Hamburg oder Berlin sind die Vorbehalte von Sozialarbeitern gegenüber Social Media längst nicht so groß. Auf der anderen Seite haben die wieder ein Problem, wenn sie an der eigentlichen Zielgruppe vorbei kommunizieren.

Wie meinst du das?

Das klingt jetzt böse: Aber vielleicht ticken manche zu social-media-affin. Plötzlich nutzt man das Medium um seiner selbst Willen und verliert sich in den Möglichkeiten. Ich verstehe das, ich spiele auch gerne damit. Aber wenn die Menschen in meinen Workshops Feuer fangen, bremse ich oft wieder und sage: „Moment. Wir haben eine Budget-Grenze, wir haben eine Zeit-Grenze, Sie wollen noch nebenher arbeiten. Da müssen wir mal ganz realistisch prüfen: Geht das überhaupt in Ihrem Arbeitsalltag?“ Man darf sich da nicht überschätzen.

Das heißt, man sollte also langsam einsteigen?

Im Zweifel ja. Wenn soziale Einrichtungen online etwas anfangen, sollten sie langfristig denken. Soziale Arbeit ist anspruchsvoll und es wird immer Phasen geben, in denen die Online-Schiene in den Hintergrund tritt. Für die Klienten, Kunden, Rezipienten eines Mediums ist aber wichtig, dass verlässlich kommuniziert wird. Es bringt nichts, anfangs euphorisch zwei Blog-Artikel pro Tag raus zu hauen und dann wieder zwei Wochen lang nichts. Deshalb muss ich mir ganz dringend im Vorfeld überlegen, ob ich einen Plan B habe. Oder ob ich vielleicht gleich mit Plan B starte, also in einer etwas niedrigeren Frequenz im Blog oder auf Facebook, die ich dafür aber auch durchhalte. Wenn sich das irgendwann verlässlich steigern lässt, ist es ja super. Aber eigentlich denkt die Soziale Arbeit immer langfristig. Grundsätzlich ist sie also eine prädestinierte Branche für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit.

Kürzlich hast du in einem Blog-Artikel geschrieben: Social Media ist schön und gut, aber vergesst die richtigen Kontakte nicht.

Social Media ist wichtig, damit soziale Einrichtungen wahrgenommen werden. Social Media kann ein Türöffner sein. Aber Kommunikation endet nicht an einer medialen Grenze. Das geht mir als Freiberufler auch so: Es ist schön, eine gute Online-Reputation zu haben – aber davon lebst du nicht. Du lebst von den Kontakten, die du hast, von den persönlichen Eindrücken, von Menschen, die du kennst. Die dich weiter empfehlen und Aufträge herein bringen. Wenn ich mich entscheiden müsste zwischen einem persönlichen Gespräch mit einem wichtigen Kontakt und einem Blogartikel, dann wäre das Gespräch immer meine erste Wahl.

Bei sozialen Einrichtungen ist es ja auch oft so, dass das Budget nur für eine Aktion reicht – entweder online oder offline. Im Lokalen würde ich argumentieren: Wählt zunächst mal die direkte Aktion, mit der ihr potentielle Netzwerkpartner ins Boot holt, die Bürger und eventuell Prominenz vor Ort abholt, persönliche Kontakte schafft. Auf dieser Basis könnt ihr euch dann überlegen, wie eine Budgeterhöhung entstehen kann – zum Beispiel für ein Blog.

 Christian Müller berät soziale Einrichtungen und Träger zur Öffentlichkeitsarbeit und Social Media

Christian Müller (30) hat als Sozialpädagoge in der Pflege und Erwachsenenbildung gearbeitet, ehe er in seine Blogger- und Berater-Karriere wechselte. Ob er irgendwann wieder als Sozialarbeiter arbeiten möchte? „Ganz ausschließen kann ich es nicht, aber die Grenzen wären mir vermutlich zu eng“, sagt er, „als Berater kann ich kritisieren, verändern und verbessern. Als Sozialarbeiter würden mich die Strukturen frustrieren.“ Als Coach begleitet Christian Müller Studenten und Arbeitnehmer. Als Berater unterstützt er Firmen bei der Entwicklung und Umsetzung von Social-Media-Strategien und Kommunikations-Konzepten. Im Netz ist er zu finden auf seinen Blogs www.sozial-pr.net und  www.lebenskarriere.com. Er schreibt täglich für die www.karrierebibel.de

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