Neue Forschungsergebnisse: Wie Sozialarbeitende in Printmedien dargestellt werden

ExpertIn und HelferIn: Das sind die beiden häufigsten Rollen, die Sozialarbeitende in Printmedien einnehmen. Herausgefunden hat das eine studentische Forschungswerkstatt rund um die Professorin Maria Ohling von der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Landshut. Wie kam es zu diesem Lehr-Forschungsprojekt? Ein Interview. Ohling Frau Ohling, was war für Sie persönlich der Anlass zu diesem Lehrforschungsprojekt? Saßen Sie am Schreibtisch, lasen einen Zeitungsartikel und dachten: „So darf das nicht sein!“?

So ähnlich. Mein Ehemann – Wissenschaftler und Psychologe – hat mich jahrelang damit geärgert, dass er mir die Stellen aus der ZEIT vorlas, die SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen in einem sehr schlechten Licht erscheinen ließen. Ich wollte empirisch überprüfen, ob unsere Berufsgruppe tatsächlich eher negativ dargestellt wird, wenn sie in der Berichterstattung vorkommt.

Was glauben Sie: Fühlen Sozialarbeitende sich grundsätzlich medial falsch dargestellt?

Das kann ich nicht beantworten, weil mir dazu keine Daten vorliegen. Ich habe aber zu Beginn der Forschungswerkstatt die 19 Studierenden gefragt, wie sie die mediale Darstellung von SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen einschätzen.

Welche These vertraten die Studierenden?

Es stellte sich erstmal heraus, dass sie sich mit dem Thema noch wenig auseinandergesetzt hatten. Trotzdem glaubten fast alle, dass ihre Berufsgruppe wahrscheinlich öfter negativ beschrieben würde. Ziemlich schnell kam die Sprache auf JugendamtsmitarbeiterInnen, denen in den Medien immer wieder berufliches Versagen vorgeworfen würde. Die Studierenden diskutierten darüber, ob negative Darstellungen  mit der Unkenntnis von JournalistInnen zu tun haben könnten.

Hat sich diese Sichtweise im Lauf der Forschungswerkstatt verändert?

Im Lauf der Veranstaltung registrierten die Studierenden immer mehr, dass die mediale Darstellung empirisch gesehen relativ positiv ist. Sie schienen mir dennoch nicht ganz von dem Gesamtergebnis überzeugt, da die Berufsgruppe namentlich zwar sehr oft erscheint, ihr aber nur sehr wenige ausführliche Berichte gewidmet werden und die negative Berichterstattung ja dennoch existiert.

In der Fachzeitschrift FORUM sozial (Heft 1, 2015) schreiben Sie: Wenn Medien ein nicht wertschätzendes Bild der Sozialen Arbeit zeichnen, dann liegt das an 1. Unkenntnis und Vorurteilen der JournalistInnen, 2. Sparmaßnahmen und 3. teilweise unprofessionellem Verhalten von Sozialarbeitenden – sowohl in Bezug auf die sozialarbeiterische Praxis, als auch auf die Pressearbeit. Was denken Sie: Sollte die Soziale Arbeit auf diese negative Darstellungen überhaupt reagieren – oder kann man die unvorteilhafte Berichterstattung guten Gewissens ignorieren, weil das Positive überwiegt?

Ich bin der Ansicht, dass SozialpädagogInnen bereits während des Studiums im Umgang mit den Medien geschult werden sollten, um reflektiert mit den MedienvertreterInnen umgehen und einen gewissen Einfluss auf die Berichterstattung nehmen zu können, im Dienste ihrer Profession und ihrer KlientInnen. Schulungen für in der Praxis tätige Berufsangehörige halte ich in in diesem Sinne auch für sinnvoll. Unprofessionelles Verhalten muss durch eine noch bessere Ausbildung an den Hochschulen sowie gezielten Fortbildungen im Arbeitsleben begegnet werden; aber auch durch kritische Refexionen auf der politischen Bühne, wenn es um die Rahmenbedingungen geht.

„Expertin“ und „Helferin“ sind Ihrer Analyse zu Folge die zwei häufigsten Rollen, die Sozialarbeitende in Medienberichten einnehmen. Ist das nun ein Ansatz für die Öffentlichkeitsarbeit der Sozialen Arbeit; sich als „ExpertInnen“ und „HelferInnen“ zu inszenieren?

Der Titel des zweiten Berufskongresses veranstaltet vom Berufsverband DBSH im Jahre 2012 lautete „Die Experten für das Soziale sind wir“. Ja, an die beim Berufskongress in den Mittelpunkt gestellte Experten-Rolle könnte man meiner Einschätzung nach sehr gut anknüpfen. Denn das entspricht ja auch dem Gedanken der Professionaliserung in der Sozialen Arbeit. Sich in der Öffentlichkeitsarbeit als ExpertIn darzustellen, wenn man ExpertIn ist, halte ich auch für normal. Es gibt aus meiner Sicht noch zu viele SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen, die hinter anderen Begrifflichkeiten verschwinden – wie etwa FamilienhelferIn –, entweder, weil sie sich selber so darstellen, oder weil sie von JournalistInnen nicht mit ihrer eigentlichen Berufsbezeichnung dargestellt werden. Um sich als ExpertIn zu erleben und sich dementsprechend zu präsentieren, brauchen SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen eine ausgeprägte berufliche Identität.

Was geschieht mit Ihren Forschungsergebnissen – wer soll und wird sie wie verwerten?

Wer sie verwerten wird, weiß ich nicht. Ich hoffe, dass der Artikel im FORUM sozial gelesen wird, die Inhalte Verbreitung erfahren und Früchte tragen. Welche Art von Früchte entstehen, entscheiden die LeserInnen. Ich halte die veröffentlichten Ergebnisse der Studie für sehr ermutigend: für jeden einzelnen Tätigen, dem Berufsverband und den Verbänden der Sozialen Arbeit sowie den Hochschulen. Die Ergebnisse könnten helfen, die Professionalisierung der Sozialen Arbeit weiter voranzutreiben. Aus meiner Sicht zeigen sie, dass wir auf einem guten Weg sind.

Info zur Forschungswerkstatt „Die Darstellung von SozialarbeiterInnen in Printmedien“: Die Studierenden haben 451 Zeitungsartikel aus der Wochenzeitung Die ZEIT und im Magazin FOCUS ausgewertet, in denen die Begriffe „Sozialpädagogin“, „Sozialpädagoge“, „Sozialarbeiterin“ und „Sozialarbeiter“ vorkommen. Die Seminarleiterin, Professorin Maria Ohling, hat die Analyse wiederholt – so ist ein belastbares Bild davon entstanden, wie Printmedien die Berufsgruppe darstellen. Ein Ergebnis: Die Darstellung von SozialpädagogInnen und SozialarbeiterInnen ist mehrheitlich von Wertschätzungen geprägt – das lässt sich auch aus den Assoziationen zu den Berufsangehörigen ableiten. Das Vorgehen und weitere Ergebnisse sind ausführlich dargestellt in einem Beitrag der Fachzeitschrift FORUM sozial, Heft 1, Jahr 2015. Maria Ohling: Wie stellen Printmedien Sozialarbeiter dar?Maria Ohling (54) ist Dr. phil., Diplom-Pädagogin, Diplom-Sozialpädagogin und Professorin an der Fakultät für Soziale Arbeit der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Landshut. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind Handlungs- und Methodenkonzepte in der Sozialen Arbeit und Identitätsforschung bei SozialpädagogInnen. Email: maria.ohling@haw-landshut.de

Advertisements

Ein Gedanke zu „Neue Forschungsergebnisse: Wie Sozialarbeitende in Printmedien dargestellt werden

  1. Hat dies auf rebloggt und kommentierte:
    Spannende Ergebnisse zur medialen Darstellung von Sozialarbeitern…

    Und noch dazu schön aufbereitet in einem netten Interview von Rebecca Sommer…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s